Ein höfisches Turnier war immer ein großes gesellschaftliches
Ereignis, zu dem aus der Umgebung und auch aus weit entfernten
Landstrichen Menschen zusammenkamen. Nicht nur die Ritter, ihre Knappen
und Damen kamen, auch Adelige mit ihrem Gefolge, Händler, Bauern,
Spielleute waren mit von der Partie. Jeder spielte seine Rolle: Händler
bauten ihre Buden auf, Musiker und Gaukler unterhielten das Publikum,
Knappen sorgten für die Pferde und pflegten die Rüstungen, Ehen wurden
angebahnt. War es dann Zeit für
das eigentliche Turnier, war dies der große Auftritt des Herolds, der
als Wappenkundiger alle Ritter identifizieren konnte und für die
Einladung zum Turnier zuständig war. Seine Persuivanten bereiteten den
Turnierplatz vor, während er mit den Damen die Helmschau abnahm. Alle
Ritter, die am Turnier teilnehmen wollten, hatten ihre Schilde und
Helme mit Wappen und Helmzier aufgereiht, und der Herold schritt mit
den Damen die Reihen ab. Diese zeigten ihm an, welcher der Herren sich
in Wort oder Tat gegen die Ehre der Frouwen vergangen hatte, und dieser
Ritter konnte packen und heimfahren. Alle wahrhaft ritterlichen und
höfischen Herren rüsteten nun auf zum Wettstreit. |