Nobilitas Akademie 2020

Vom 6.11. bis zum 8.11.2020 findet auf der Burg Hessenstein die Nobilitas Akademie 2020 statt.

Von Freitag Abend bis Sonntag Mittag bietet die Nobilitas Akademie die Chance, in kleiner Gruppe, das eigene Wissen rund um das Mittelalter zu erweitern. Es besteht die Möglichkeit zur intensiven Diskussion. Für die Unterbringung und das leibliche Wohl sorgt die Jugendburg Hessenstein.

Bitte online anmelden oder die Anmeldung herunterladen und ausgefüllt an anmeldung@nobilitas.net schicken.

Stephan Baum
Im Osten nichts Neues? Byzanz im Schatten Westeuropas
Während das Weströmische Reich im Jahr 476 n. Chr. unterging, lebte das Oströmische Reich bis zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 noch fast eintausend Jahre fort: und mit ihm die byzantinische Geschichtsschreibung.
Wie wurde Geschichte geschrieben und wie konnte sie sich – vom Pergament bis zum gedruckten Buch – bewahren?
Wir blicken zurück auf 1.500 Jahre Wissensvermittlung zwischen Ost und West.

Marc Lewon
Die Entstehung der Mehrstimmigkeit im Mittelalter
Als ein Mönch des 9. Jahrhunderts in einem Kloster an der Ruhr eine Methode niederschrieb, mit der man durch einfache Regeln eine zweite Stimme zu einem gregorianischen Choral improvisieren kann, wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der die Musik des „Abendlandes“ für immer prägen sollte: Die Idee der Mehrstimmigkeit war geboren und parallel zu dieser sich in den folgenden Jahrhunderten immer weiter entfaltenden Kunst entwickelte sich auch die musikalische Notation in der uns heute noch geläufigen Form. Anhand einiger herausragender Schlaglichter wird die Entstehung und Entwicklung der Mehrstimmigkeit vom 9. bis ins 15. Jahrhundert aufgezeigt, durch Handschriftenabbildungen erfahrbar und durch Hörbeispiele erlebbar gemacht.

Katharina Remer
Falke & Frettchen – tierische Jagdhelfer des Hochmittelalters
Die Jagd ist eng mit dem adeligen Selbstverständnis des Mittelalters verknüpft. Während die Beizjagd mit Greifvögeln eine zentrale Rolle in Bilddarstellungen und Heraldik spielt, tauchen Frettchen als Jagdhelfer nur sehr selten in mittelalterlichen Quellen auf.
In diesem Vortrag soll an Hand der beiden hochmittelalterlichen Herrscher Kaiser Friedrich II. und König Alfons X. von Kastilien, die Geschichte der Jagd mit diesen beiden Jagdhelfern, ihr Einsatz in der Jagd im Mittelalter und ihre zeitgenössische Wahrnehmung beleuchtet werden.

Thorsten Sonnemann
Die Büraburg bei Fritzlar. Bischofssitz und Fluchtburg im frühen Mittelalter
Über viele Jahrzehnte haben sich Archäologen und Historiker daran abgearbeitet, herauszufinden, wie die 8 ha große Büraburg einst ausgesehen hat. Welche Rolle spielte sie in den Sachsenkriegen Karls des Großen? Was hat es mit dem kurzzeitigen Bischofssitz auf sich und wie sah es mit dem Umland aus, das die Burg zu versorgen hatte?
Was haben Franken, Sachsen und (Nord-)Hessen dort eigentlich getrieben? Große Fragen, die nach einer Antwort suchen…

Anna-Katharina Strohschneider
Die arabische Philosophie und ihr Einfluss auf das christliche Mittelalter
Philosophie und Wissenschaft in der arabischen Welt hatten einen massiven Einfluss auf das wissenschaftliche Denken in der christlichen, lateinisch-sprachigen Welt im Mittelalter. Die umwälzenden Veränderungen der geistigen Landschaft, die durch die Übersetzung von Werken aus dem Arabischen ausgelöst wurden, sind kaum zu überschätzen.
In diesem Vortrag wird die Entwicklung der Philosophie in der arabischen Welt zwischen Zentralasien und Andalusien nachgezeichnet: vom „Ersten Philosophen“ al-Kindī im 9. Jahrhundert, über die großen Denker der klassischen Periode wie Avicenna und Averroes, bis hin zu späteren weniger erforschten Größen. An ausgewählten Themen soll die Originalität und philosophische Durchschlagskraft der islamischen arabischen Denker aufgezeigt werden. Anschließend wird ihr Einfluss auf die christlichen Philosophen und Theologen in Europa in der Folge der großen Übersetzungswelle im 12. und 13. Jahrhundert dargestellt, während derer zahlreiche Werke der Philosophie, Astronomie und Medizin aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt wurden. Ohne diese wäre die moderne europäische Philosophie kaum vorstellbar.